Fashion Flashback

Helmut Lang und der 90s-Minimalismus

Schön, schlicht, selbstbewusst: In den 90ern schuf Modeschöpfer Helmut Lang eine Stilrichtung, die zurückhaltend, aber nicht minder ausdrucksstark ist
Helmut Lang H/W 1995 © Guy Marineau/Condé Nast via Getty Images
Helmut Lang H/W 1995 © Guy Marineau/Condé Nast via Getty Images 
Camille Charrière, 2017 © Vanni Bassetti/Getty Images
Camille Charrière, 2017 © Vanni Bassetti/Getty Images 

Wenn man an deutschen Stil denkt, kommt einem nicht unmittelbar Minimalismus in den Sinn. Eher Tennissocken in Sandalen oder Funktionsjacken. In den Neunzigern jedoch haben Designer wie Helmut Lang und Jil Sander eine Moderichtung kreiert, die in ihrer Zurückhaltung mehr Eindruck hinterließ als Björks Schwanenkostüm bei den Oscars 2001. Ablenkungen gehörten zu dem puristischen Look nämlich ebenso wenig wie extravagante Spielereien. Der deutsche Minimalismus war der nüchterne Gegenentwurf zu den ausladenden Silhouetten, Schulterpolstern und Rüschen der 1980er Jahre. Und der Beweis, dass schlicht keinesfalls langweilig bedeutet.

Die Anfänge des Clean Chic

Obwohl der Italiener Giorgio Armani als Begründer des Minimalismus gilt, ist Helmut Lang hier einer der prägendsten Wegbereiter – seine Liebe für klassische Sportswear beeinflusste sehr stark die Idee vom 90er Jahre Clean Chic. Schon früh verwendete der österreichische Designer, der in den USA groß wurde, High-Tech-Materialien wie Nylon, Latex und PVC, die seinen reduzierten Entwürfen eine avantgardistische Note verliehen: Gerade geschnittene Anzüge, Hemden aus fester Baumwolle, Hosen mit Ledereinsätzen, Bondage- oder funktionale Details wie zusätzliche Taschen auf Mänteln formten den Lang’schen Minimalismus, die vorherrschende Farbpalette aus Beige, Schwarz und Weiß hielt sich ebenfalls bedeckt. Das Resultat: Mode, die zeitlos ist und für sich selbst spricht. Wie auch der zwanglose Chic einer Jil Sander, deren Purismus in den Achtzigern das Konzept der modernen Frau widerspiegelte – androgyn statt damenhaft, cool und emanzipiert.

Wenn weniger mehr ist

Für den perfekten Minimal Look braucht es nicht viel: Wenn Schnitt und Material stimmen, wirkt das Outfit von alleine. Die französische Bloggerin Camille Charrière macht’s lässig vor und multipliziert ein einfaches Baumwoll-T-Shirt um einen petrolblauen Midirock mit aufgesetzten Taschen. Bei den Accessoires folgt sie der Jil-Sander-Regel „less is more“ und unterstützt die schlichte Eleganz des Outfits mit feinem Goldschmuck.

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