Fashion Flashback

Diane von Fürstenberg & das Wickelkleid

Weiblich, glamourös und selbstbewusst: In den 70ern wickelte die amerikanische Designerin viele Frauen nicht um ihren Finger, sondern in das von ihr kreierte Wrap Dress
Street Style Mailand, 2016 / © Christian Vierig/Getty Images
Street Style Mailand, 2016 / © Christian Vierig/Getty Images 
Diane von Fürstenberg, 1974 / © Tim Boxer/Hulton Archive/Getty Images
Diane von Fürstenberg, 1974 / © Tim Boxer/Hulton Archive/Getty Images 

Hinter jedem berühmten Kleidungsstück steckt immer auch eine Geschichte: Beim Trenchcoat sind es die tapferen Soldaten im Schützengraben, bei der Birkin Bag eine Zufallsbegegnung von Jane Birkin und Hermès-Chairman Jean-Louis Dumas. Und beim Wickelkleid? Laut Diane von Fürstenberg unschuldiges Bettgeflüster. In den 80ern darauf angesprochen, warum sie genau dieses Kleid kreierte, lautete ihre Antwort schlicht: „Um sich morgens herausschleichen zu können, wenn der Mann noch schläft.“

Ein Kleid von einer Frau für Frauen

Als von Fürstenberg ihr Wickelkleid bereits Anfang der 70er vorstelle, ahnte sie sicherlich nicht, wie wichtig es einmal werden würde. Doch mit distinkten Design passte es perfekt zur Frauenbewegung der damaligen Zeit (Gloria Steinem zählte u. a. zu seinen berühmten Trägerinnen). Im Gegensatz zu den konservativen Silhouetten, die der New Look mit sich gebracht hatte, schenkte das weiche Jersey-Dress den Frauen Freiheit über ihren Körper und damit Macht und Selbstbestimmung. Die Nachfrage war so hoch, dass DvF 1975 etwa 15.000 (!) Stück in der Woche produzieren musste.

Das Wrap Dress wird wie ein Morgenmantel getragen und in der Taille gewickelt. Es schmiegt sich der natürlichen Körperform an – nicht anders herum. Und dabei machen es der tiefe V-Ausschnitt, der Beinschlitz und die Mustervielfalt von Leo-Print (eines der Lieblingsmotive von Diane) bis Grafik-Motive unglaublich feminin. Ein Kleid für jede Frau und jeden Anlass: Für die „Dancing Queen“ (die mit Korkenzieherlocken und Platform-Heels das Studio 54 unsicher machte), die Mutter (die im einfarbigen Midi-Dress und kniehohen Stiefeln das Kind von der Vorschule abholte), die Karrierefrau (die wie Cybil Shepherd in „Taxi Driver“ das Blusen-Modell zu Mary Janes und mehrlagigen Goldketten wählte).

It’s a Wrap: Das Wickelkleid im glamourösen Layering

Bereits letztes Jahr zeigte die Italienerin Giorgia Tordini, wie vielseitig und feminin das Kleid immer noch ist. Leicht geöffnet trug sie es über Slip Top und Straight Leg Jeans und zog damit alle Blicke auf sich. Das Prinzip aus „Hose plus Oberteil plus Kleid“ geht eigentlich immer auf: sportlich gelingt das mit Cropped Pants, Sneakers und einem Sweater über dem Kleid. Gewagt zu Lederhose, einer farblich passenden Bluse darunter und breitem Taillengürtel. Oder man macht das Kleid zum ausgehfeinen Solisten wie Bloggerin Doina Ciobanu – und ergänzt es nur um Overknee-Boots. Und nur, weil wir so auf ein Date gehen würden, bedeutet das ja nicht, dass wir uns später heimlich aus dem Bett schleichen müssen.