Trend Report

Folks-nähe

Wer sich nach Entschleunigung sehnt, findet genau das in seiner Garderobe – mit Folklore
holen wir uns die Nostalgie und damit den modischen Rückzug in die 70er zurück.
Freier und wandelbarer denn je.
 

Die 70er bestimmen ja schon seit mehreren Saisons das Modegeschehen. Doch in letzter Zeit findet ein Aspekt des Stiljahrzehnts immer größeren Anklang: der Drang weg von der Schnelllebigkeit unseres von Likes getriebenen Lebens hin zur Rückbesinnung auf Wesentliches. Mit Folklore wird dieser Gegenentwurf jetzt salontauglich – jedoch weitaus freier interpretiert als es damals noch Musen wie Joni Mitchell und Ali MacGraw in ihren handbestickten (Ossie-Clark-)Kleidern und wallenden Tuniken vormachten.

Nostalgie trifft Designer-Freigeist

Handwerkskunst bleibt weiterhin prägend: ob in Form plakativer Patchwork-Designs oder durch schrullige Blumenmuster, die eher an Omas Küchentapete als an Ready-to-wear erinnern. Bei Gucci zum Beispiel sind das bunt bestickte Blütenranken auf edlen Handtaschen in Goldgelb, Ziegelsteinrot und Grellgrün oder florale Prints auf midilangen One-Shoulder-Kleidern. Christopher Bailey nimmt für Burberry den Granny-Stempel von den wie von Hand gemalten Blumen – indem er sie auf plissierten Röcken zu voluminösem Strick, farbiger Spitze oder im Mustermix mit Pyjamastreifen kombiniert. Auch Clare Waight Keller widmet sich für Frühjahr/Sommer dem Folklore-Thema. Romantische Rüschenelemente dürfen hierbei nicht fehlen. Die setzt sie mit modern interpretierten Bauernblusen in Tapetenmuster oder sanften Volant-Dresses um. Der Folk-Country-Spirit à la Mitchell, Nicks & Co. schwingt dabei unweigerlich mit.

Das Styling: feminin, aber nicht altmodisch

Neu ist jedoch, den Look mit urbanen Referenzen zu brechen: allen voran Denim. Statt dem geknöpften A-Linien-Rock aus Cord kommt jetzt eben die Kick Flare oder die Girlfriend-Jeans mit gefransten Hosenbeinen zum Einsatz, um den fast überladen wirkenden Rüschen-Blusen und Glockenärmel-Shirts ihre Opulenz zu nehmen. Flache Mules (Mutige wagen sich an Clogs) sichern die Bodenhaftung und sind schnell abgestreift, sollte das Frühlingswetter bald wieder das Feierabendbier an der Spree oder Isar zulassen. Noch einen Schritt weiter geht’s mit dem Blümchenkleid: Das kann einfach zum unifarbenen Cardigan getragen werden, bekommt aber erst den richtigen Twist über die Jeans gestylt. Ein Cowboy-Gürtel konturiert das Nostalgie-Ensemble, Sneakers und Jeansjacke bringen es in die Gegenwart. Ach, wie schön Entschleunigung doch sein kann. Dafür gibt’s von uns direkt mal den Megalike.

Der Folk-Trend zum Nachstylen