Brand Diaries

aeyde

Luisa Krogmann und Constantin Langholz-Baikousis haben ein Schuh-Label gegründet, das sich in Zeiten von Fast Fashion auf zeitlos coole Designs und traditionelles Handwerk besinnt
© Marlen Mueller
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Das Headquarter von aeyde, das gleichzeitig als Showroom dient, befindet sich in einem der früheren sozialistischen Prachtbauten Berlins, an der Peripherie von Friedrichshain zu Mitte. So imposant der Bau, so großzügig und zugleich schlicht ist das Büro: die hohen Betondecken sind weiß getüncht, große Fenster und bodentiefe Spiegel sorgen für viel Licht und Raum. In langen Regalen reihen sich Leisten, Materialproben und Prototypen aneinander, andere präsentieren einen Querschnitt der bisherigen Kollektionen. Die Räume strahlen Ruhe und Geradlinigkeit aus. Man bekommt den Eindruck, als säße hier eine etablierte Firma. Doch das Schuhlabel aeyde (gesprochen: „äydi“) gibt es erst seit Oktober 2015.

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Gegründet haben aeyde Luisa Krogmann und Constantin Langholz-Baikousis. Mittlerweile ist das Team auf zehn Leute angewachsen. Luisa kümmert sich um Produktmanagement und Marketing, Constantin verantwortet die Bereiche Finance, Logistik und IT. Beide kennen sich von Zalando, wo sie vier Jahre Seite an Seite im Business Development gearbeitet haben. Und wo auch die Idee heranreifte, ein eigenes Label zu gründen.

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Ich hatte immer das Problem, Schuhe zu finden, die eine gute Qualität haben und ein Design, das mir gefällt

„Wenn das Design schön war, waren die Schuhe oft aus Plastik. Das war noch nie mein Ding. Teilweise habe ich bei total konservativen Brands gekauft, weil die Qualität gut war, aber dann passte es eben nicht vom Style“, erzählt Luisa. Also wurde gemeinsam überlegt, recherchiert, analysiert. „Wir haben gemerkt: Die Qualität ist den Kunden wichtig. Aber eben zu einem Preis, der nicht bei 400 € anfängt“, ergänzt Constantin.

Damit stand das aeyde-Konzept: Zeitlose Schuhe, clean und unaufdringlich im Design, um sich dem individuellen Stil der Kundin nahtlos anzupassen – mit hochwertigem Handwerk dahinter und zu einem fairen Preis. Für die finanzielle Umsetzung gewannen sie sogenannte „Business Angels“ – private Investoren, die auch mit Know-how unterstützen. Die Designs reifen in Berlin, produziert wird in Italien. Alle Leisten werden dort hergestellt, das Leder kommt aus Süditalien, der Satin aus Como. „Wir wollten direkt mit der höchstmöglichen Qualität einsteigen“, sagt Luisa. Die fängt bei aeyde schon mit den Bildern auf der Website an, geht weiter bei der Verpackung bis hin zu den Ledersohlen der Schuhe. Uns ist das dezente grüne Stitching an den Schuhen aufgefallen: Branding und gleichzeitig das Symbol für Handarbeit, klärt Luisa auf. Der kleine Strich findet sich zudem im Logo wieder, als Apostroph-ähnliches Zeichen über dem letzten e.

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Der Name sollte wiedererkennbar sein und für starke Frauen stehen – für Frauen, die wissen, was sie wollen. Wie Constantins Großmutter Edith. Ein traditioneller Name, passend zur Herstellungsweise der Schuhe. Zugunsten der internationalen Wahrnehmung wurde daraus schließlich: aeyde.

Inzwischen hat das Label die vierte Kollektion auf den Markt gebracht. Die Inspiration dafür lieferte Noto – eine spätbarocke Ruinenstadt auf Sizilien, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die Natur hat sich über die Jahre dort viel Terrain zurückerobert. Das trockene Grün der Gräser, das Gelb der alten Steine, das Fuchsiapink der Blüten, das Blau des Meeres – all das spiegelt sich in den Designs wider: von Sofia, eleganten Wedge Pumps aus Satin, bis Talia, minimalistischen Riemchen-Heels aus blauem Wildleder oder rosa Samt.

© Marlen Mueller
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Der erklärte Lieblingsschuh aus der Frühjahr/Sommerkollektion ist für beide jedoch Sylvie: ein spitz zulaufender Satin-Mule in Hot Pink – „mein Herzstück, den habe ich in einer Nachtaktion gebaut“, erinnert sich Luisa stolz. Leandra Medine vom Blog „Man Repeller“ trug ihn kürzlich auf einem Foto bei Instagram, was sie wahnsinnig gefreut hat. Ein weiterer Schritt zu der internationalen Relevanz und globalen Aufmerksamkeit, die sich die beiden Gründer für das Label in den kommenden Jahren wünschen.

Als nächstes kommt jedoch erst einmal die Kollektion für Herbst/Winter mit vielen neuen Styles, wie Luisa verspricht. Darunter beispielsweise ein Schuh mit einem extrem dicken Absatz, inspiriert von kühlem Beton und architektonischen Formen. In jeder Kollektion stecken sechs bis acht Monate Arbeit. Harte Arbeit. Wir fragen Luisa, wie sie nach einem langen Tag im Büro entspannt. „Ich muss laufen“, sagt sie. An einen aeyde-Sneaker ist jedoch nicht zu denken, vergewissert sie uns prompt. Vielleicht wird es irgendwann Lederaccessoires der Marke geben. Aber Luisa und Constantin wollen sich auf keinen Fall verzetteln: „Wenn man zu viel macht, wird es nicht mehr so gut. Das deckt sich nicht mit unseren Ansprüchen.“