True Originals

The real „Fashion Killa”: A$AP Rocky

In seinen Texten gedeiht das Namedropping bekannter Designerlabels zur Kunstform. Wir haben den 28-jährigen MC und Modefanatiker in Los Angeles getroffen – A$AP Rocky im Remix.
© Kai Z Feng, Alvaro & Wen Colom 

Harlem und Gucci waren zwei Dinge, die unvereinbar schienen – bis A$AP Rocky auf der Bildfläche auftauchte. Seit seinem Debüt „Live. Love. A$AP“ im Jahre 2011 begeistert der in Harlem, New York geborene Rapper Fans und Follower mit seinen Rhymes – und seinem Style. Das Mixtape, gespickt mit Referenzen an Designerlabels – Namedropping als Kunstform könnte man sagen – machte den 28-Jährigen über Nacht berühmt. Es war die Wiedergeburt des East Coast Rap und zeigte, dass Musik und Mode zusammengehören – mit A$AP als wortgewandtem wie stilsicheren Prediger.

Geboren 1988 als Rakim Mayers, benannt nach Eric B. and Rakim, einem New Yorker Rap-Duo, die das Genre in den 80ern mitbegründet haben, wandte er sich früh der Musik zu. Eine Flucht aus der Realität, die für ihn aus ständig wechselnden Obdachlosenunterkünften, Drogen verticken und dem Tod seines Bruders bestand. Der wurde ein Jahr, nachdem sein Vater ins Gefängnis kam, auf der Straße erschossen.

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Leute meiner Herkunft, Leute, von denen du nicht erwarten würdest, dass sie sich für Mode interessieren – wir tun es, wir diktieren sie sogar

Schon früh legte A$AP die Tendenz an den Tag, seine eigenen Regeln zu machen. Auch, wenn es darum ging, sich ästhetisch zu definieren: „Leute meiner Herkunft, Leute, von denen du nicht erwarten würdest, dass sie sich für Mode interessieren – wir tun es, wir diktieren sie sogar“, stellt er klar.

Sein Repertoire geht dabei weit über die üblichen Verdächtigen der Branche hinaus und pendelt zwischen cooler Streetwear und hochkarätigen Runway-Labels. Im Video zu „Fucking Problems“ etwa trägt er einen Mantel von Rag & Bone zu Boots von Ann Demeulemeester. „Fashion Killa“ zeigt ihn und Rihanna als Power Couple im Partner-Look mit Supreme-Jerseys, wie sie gemeinsam Designerklamotten shoppen. Seine Texte lesen sich wie Hymnen auf seine Lieblings-Labels und belegen seine Tendenz, die neuesten Raf Simons Sneakers mit Low-Budget-Teilen zu kombinieren. „Du weißt nie, was als nächstes passiert, du musst immer auf alles vorbereitet sein“, sagt er über seine Musik. Aber das könnte genauso gut für seinen Kleidungsstil gelten.

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Die Modeindustrie erwidert dieses Interesse prompt. Nur einen Monat nach Release seines Debütalbums buchte ihn Versace für einen Gig. Im letzten Jahr entwarf er mit Guess eine 90er-Jahre-inspirierte Capsule Collection, arbeitete mit J.W. Anderson zusammen und wurde zum Aushängeschild von Dior Homme. Kein Wunder, dass auch Zalando auf ihn aufmerksam wurde und ihn für die Frühjahr-/Sommerkampagne unter dem Motto „Remix Fashion“ verpflichtete. Ein Credo, das er par excellence verkörpert.

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„Willkommen im A$AP Hotel“, begrüßt mich der 28-Jährige, als ich ihn am Set treffe. „Eins steht fest: Du warst noch nie in einem Hotel wie diesem“, sagt er, der in dem Fashion-Film den Hoteldirektor gibt und das Gepäck seiner Gäste, der Supermodels Andreea Diaconu, Jourdan Dunn, Julia Nobis und Kris Gottschalk vertauscht. Was den bezaubernden Ladies keine andere Wahl lässt, als einen völlig neuen Look für sich zu kreieren. Remix eben.

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Was ich an Fashion mag ist, dass sie dir erlaubt, dich so auszudrücken, wie du sein möchtest

Für A$AP ist Mode nicht nur eine Leidenschaft. „Was ich an Fashion mag ist, dass sie dir erlaubt, dich so auszudrücken, wie du sein möchtest. Du kannst wie ein Bankangestellter aussehen, aber eigentlich der Bankräuber sein“, witzelt er. „Du kannst einen auf Cop machen, aber ein ganz normaler Typ sein.“ Die Stylistin des Shoots, Karen Langley, ergänzt: „Es dauert keine fünf Minuten, bis du erkennst, dass er sich wirklich für Mode interessiert, so gezielt wie er einen Stapel Klamotten scannt.“ A$AP gibt ihr recht: „Am Ende des Tages sind es vielleicht nur Stoffe und Nähte, klar. Aber für mich ist es mehr. Es ist ein Lebensstil.“ Dieser Lebensstil macht ihn zum Vorbild einer ganzen Generation. Zu einer Stilikone in Gucci-Loafern mit Harlem-Swag.

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© Kai Z Feng, Alvaro & Wen Colom 
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