True Originals

5 Minuten mit Bella Hadid

Bella Hadid ist das Model der Stunde. Mit uns sprach sie über surreale Momente, Männeranzüge und warum sie nie ohne Kerzen reist
 

Wenn sich eine Horde Teenager noch vor dem Wachwerden im Forum Les Halles tümmelt, aufgeregt in ihren Taschen kramt, ungeduldig Handys checkt und die Security im 2-Minuten-Takt fragt, ob sie schon da sei, ist das nicht unbedingt ein typischer Samstagmorgen in Paris. Doch andererseits warten sie nicht auf irgendwen, sondern auf Bella Hadid.

An der 20-Jährigen, der die Schönheit mit dem Namen in die Wiege gelegt wurde, kommt gerade niemand vorbei: Sie ziert die Cover großer Modemagazine wie Vogue und Jalouse, läuft auf den Runways von London bis Mailand oder hängt als häuserhohe Werbeanzeige mitten in New York City. Das Portfolio kann sich sehen lassen. An diesem sonnigen Junitag, an dem das Thermometer schon vor 10 Uhr an der 30 Gradmarke kratzt, stellt sie die Jubiläumskollektion des Nike Cortez vor. Ein Sneaker, mit dem 1972 die Erfolgsgeschichte von Nike begann und für Bella eine Kollaboration, die sie „sehr stolz macht“, weil der Fokus auf „unabhängigen und starken Frauen liegt.“

Stärke musste das Model mit niederländischen und palästinischen Wurzeln in den letzten Jahren selbst oft beweisen. Sie leidet an der tückischen Lyme-Borreliose – einer Krankheit, für die Bella ihren Traum, an den Olympischen Spielen 2016 in der Disziplin Reiten teilzunehmen, aufgeben musste. Und die ihr im Job jede Menge Kraft abverlangt. Chronische Müdigkeit etwa ist nur eine der Folgen. Davon merkt man ihr jedoch nichts an. Im Gegenteil: Bella Hadid strahlt diese unnahbare Aura der großen 90er-Jahre-Models aus. Ihr markanter Look ist unverkennbar.

© Nike
© Nike 

Als sie in ihrem weißen Komplett-Outfit aus Trackpants, Crop Top und Spice-Girls-Zöpfen aus dem schwarzen Geländewagen steigt, zeigt sich das Model professionell und gut gelaunt. Die Menge tobt. Und Bella? Scheint bei näherem Hinsehen aufgeregt, ja sogar etwas nervös, als sie die Kollektion vorstellt. Oft sucht sie den Blick des Publikums oder spricht die Fans gar direkt an. Sie nimmt sich Zeit für Selfies, Umarmungen und kurze Small Talks, dann nahen auch schon meine fünf Minuten mit ihr. Die Zeit läuft.

Gestern New York, heute Paris. Du bist ständig auf Reisen: Wie behältst du dir das Gefühl von Zuhause bei?

Ich liebe es, Kerzen um mich herum zu haben. Die bringe ich meistens mit. Da ich so oft alleine bin, mag ich alles, das mir Geborgenheit gibt. Aber Paris ist mittlerweile zu einem zweiten Zuhause geworden. In meinem Hotelzimmer stehen Bilder meiner Familie. Das gibt mir ein vertrautes Gefühl.

 
Sei einfach nett zu jedem, den du triffst und unterstütze die Menschen, mit denen du zusammenarbeitest

Was war denn der bisher aufregendste Moment auf einem Fotoshooting?

(überlegt kurz) Das war während der Aufnahmen für mein erstes Cover der italienischen Vogue: Ich kam zum Shooting und wusste nicht, dass es ums Cover geht. Das haben sie mir erst später erzählt. Es sollte eigentlich nur eine Portraitaufnahme sein, wurde aber letztendlich das Cover – fotografiert von Steven Meisel. Das war so surreal und ein großer Moment für mich.

Gibt es denn eine Lektion oder einen Rat, den du gelernt hast und gern weitergeben möchtest?

Sei einfach nett zu jedem, den du triffst und unterstütze die Menschen, mit denen du zusammenarbeitest. Es gibt so viele, die das nicht machen. Ich denke jedoch, dass jeder tun sollte, wonach ihm ist. Es gibt genug Platz für jeden.

© Thaddaeus McAdams/Getty Images
© Thaddaeus McAdams/Getty Images 
Ich liebe es, mit Menschen zu reden. Das erwarten viele nicht von mir, wenn sie mich treffen

Wovon sind die Leute am meisten überrascht, wenn sie dich das erste Mal treffen?

(lächelt) Viele sind immer ganz baff und reagieren mit ,Ach, du bist ja so nett’ oder ,Du lachst ja tatsächlich’, wenn sie mich kennenlernen. Sie denken, dass ich das nicht gerne tue oder sogar unfreundlich bin. Wahrscheinlich, weil ich in vielen Bildern auf Instagram nicht lache. Aber ich liebe es, zu lachen. Oder mit Menschen zu reden.

Stell dir folgende Situation vor: Du hast nur 10 Minuten, um dich für ein superwichtiges Meeting anzuziehen. Was trägst du?

Wahrscheinlich einen Anzug. Ein gut sitzender Männeranzug etwa. Der ist cool und fresh, aber doch einfach und schick.

Du bist ein echtes California Girl: Inwiefern beeinflusst das deinen Stil?

Eigentlich habe ich mich schon immer eher so angezogen, als würde ich in New York leben als in Los Angeles. Deswegen gehören viel Schwarz und Leder zu meiner Garderobe. Aber jetzt im Sommer, wenn es in New York richtig heiß wird, bevorzuge ich Sneakers und will mich einfach nur wohlfühlen. Dann kann es auch passieren, dass ich Maxi- oder Vintage-Kleider anziehe, die ich schon in der High School getragen habe.

Wie würdest du deinen Style in drei Worten beschreiben?

Hm … das ist schwierig, weil sich mein Look oft ändert. Manchmal ist er schlicht und manchmal eben gar nicht.

Er entwickelt sich also immer weiter?

Ja, das trifft es ganz gut. Ich habe das Gefühl, er entwickelt sich fast wöchentlich weiter. (lacht)

© Marc Piasecki/GC Images (links)
© Marc Piasecki/GC Images (links) 

Du hast 13 Millionen Follower auf Instagram. Was muss ein Bild für dich haben, damit du es postest?

Generell teile ich Bilder, die ich mag. Das müssen nicht unbedingt Outfit-Fotos sein. Es können auch abgefahrene, eher künstlerische Fotos sein oder Momentaufnahmen, auf die ich stolz bin und an die ich mich später gern erinnern möchte.

Hand aufs Herz: Was macht dich zurzeit glücklich?

Dinge zu tun, die ich liebe. Und dass das auch anderen etwas bedeutet. Zu sehen, wie viele Menschen hierhergekommen sind – das fühlt sich an wie ein Traum. Aber auch die einfachen Dinge, wie reiten, machen mich happy. Oder wenn ich zuhause bin, bei meiner Familie.