True Originals

Beth Ditto. Unlimited.

Beth Ditto ist eines der Gesichter der Zalando Spring/Summer-Kampagne, die eine neue Generation von Frauen in den Fokus rückt. Wir haben die Sängerin am Set getroffen und mit ihr über Mode, Selbstdarstellung und ihre größten Ängste gesprochen
 

Es ist – wie könnte es auch anders sein – warm und sonnig an diesem Januartag in Los Angeles. Wir treffen Beth Ditto während einer Drehpause in den Smashbox Studios, um mit ihr über Mode, Musik und Interessen zu sprechen, für die sie sich stark macht. Die 37-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund und warnt uns bereits zu Beginn des Interviews vor: „Ich hole gern etwas weiter aus.“

Weit ausholen hin oder her, Beth Ditto hat etwas zu sagen. Sei es über Geister – „Ich habe echt Angst vor Geistern. Ich möchte niemals einem begegnen.“ – oder ob man sich selbst googlen sollte: „Ich glaube es ist besser, nichts über sich zu lesen. Wirklich wichtig ist nur, was die Leute sagen, die dich kennen und dass du dich selbst kennst.“

Mit 18 Jahren ist die in Arkansas geborene Sängerin von zu Hause ausgezogen und hat kurze Zeit später die Indie-Band Gossip mitgegründet. Ob in ihren Lyrics oder in Interviews: Beth Ditto hält mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. Vor allem, was die Rechte der LGBTQI-Community (kurz für: Lesbian Gay Bisexual Trans Queer Intersex) betrifft. Auch was ihren Style angeht, gibt sich die Amerikanerin alles außer schüchtern.

 
„Wirklich wichtig ist nur, was die Leute sagen, die dich kennen und dass du dich selbst kennst“

Warum hast du Gossip verlassen? Und wie unterscheidet sich dein erstes Solo-Album „Fake Sugar“ von deiner früheren Musik?

Nach 16 Jahren war es einfach an der Zeit für ein neues Kapitel. Ich habe die Welt gesehen, wir haben alles gemacht, in Punk-Clubs gespielt, aber auch in Stadien. Außerdem hat mein Bandkollege die Musik aufgegeben und ist nach Arkansas zurückgegangen. Dazu war ich nicht bereit. Also dachte ich mir ‚Ich breche aus. Hört alle her!‘. Nicht wie Stevie Nicks oder so.

Das Album ist natürlich anders. Es fühlt sich ein wenig an, wie wenn man 16 Jahre lang in einer festen Beziehung gewesen ist, dieselbe Person geküsst und mit derselben Person geschlafen hat. Egal, wie sehr man versucht, neuen Schwung reinzubringen: Es ist so ein unglaubliches Gefühl, jemand anderen zu küssen. Das gilt auch für ein neues Album.

Du bist auch in puncto Mode nicht gerade ein Mauerblümchen. Welches Outfit ist dir am stärksten im Gedächtnis geblieben?

Das war ein blauer Catsuit. Die Leute konnten es gar nicht glauben. Es hat alle total geflasht und die Medien sind ausgeflippt. Die eine Hälfte hat sich darüber lustig gemacht, die anderen fanden es super. Der Catsuit war aus Spandex und nicht gerade diskret. Tja, manchmal braucht es etwas Lächerliches, um eine Konversation in Gang zu bringen.

 

Was bedeutet Mode für dich?

Mode bedeutet mir vieles und auch wieder nichts. Style ist mir wichtig, aber Mode kommt und geht. Style ist konsistent und von Dauer. Ich liebe Klamotten, ich liebe Haare und Make-up und ich treffe gerne Leute, die das alles kreieren und nähen und die Farben und Materialien auswählen. Ich finde es spannend zu sehen, wieviel Arbeit in das investiert wird, was wir tragen und was für uns jeden Tag selbstverständlich ist.

Nutzt du Mode als Mittel zur Selbstdarstellung? Und wenn ja, wie?

Man hat uns so lange eingetrichtert, dass es nur einen Figurtyp gibt, nur eine Hautfarbe, nur eine Haarfarbe, die akzeptabel sind. Für mich bedeutet Mode, dass alles zu vergessen. Punk-Musiker, Schauspieler, Sänger und Künstler brechen alle aus der Norm aus und haben mir eine andere Welt gezeigt, mit anderen Figurtypen, Hautfarben und Looks. Es geht darum, eine positive Botschaft zu senden, wie wir uns in unserer Haut wohlfühlen. Die Modeindustrie vermittelt oft ein negatives Bild zum Thema Körper, Aussehen und Gesundheit.

 
Für mich ist Mode ein Mittel, um Menschen mit Veränderung und verschiedenen Denkweisen zu konfrontieren“

Was trägst du, wenn du arbeitest, bei einem Date, bei besonderen Anlässen?

Eyeliner, Eyeliner, Eyeliner. Egal, wohin ich gehe oder was ich mache, Eyeliner muss sein. Immer. Wie die Haare aussehen, ist egal, Hauptsache ich trage Eyeliner und Mascara.

Du nimmst dich selbst wie du bist. Ohne wenn und aber. Damit bist du zu einer Ikone der LGBTQI-Gemeinde geworden. Was bedeutet das für dich?

Ich sehe mich nicht wirklich als Ikone. Debbie Harry hat bei den Elle Fashion Awards gesagt „Die Leute sagen, ich sei eine Ikone. Das erinnert mich an ein russisches Kunstwerk aus Holz.“. Das fand ich ziemlich cool. Ikone ist ein witziges Wort. Es ist süß, wenn die Leute das sagen, aber es fühlt sich auch komisch an, weil man nicht weiß, wie man ihnen genug dafür danken soll. Ich meine, ich bin lesbisch und queer und ich lebe in einer Zeit, in der es viel einfacher ist, so zu sein, als früher. Die Leute um mich herum sterben deswegen nicht. Sie haben immer noch daran zu knabbern, aber wir sind einen großen Schritt weitergekommen, es gibt einen offenen Dialog. Medien, Kunst, Fernsehen und Musik – alles verändert sich und erweitert den Horizont der Menschen. Ich bin sehr glücklich, ein Teil davon zu sein. Ich bin wirklich stolz auf meine Leute. Auf uns.

Der Style von Beth Ditto