True Originals

Veni, vidi, Gigi

An ihr kommt gerade niemand vorbei – will man auch gar nicht. Gigi Hadid ist das Supermodel der Stunde! Mit unserer Autorin spricht sie über Selbstvertrauen, Stil und wie wichtig Girl Squads sind.
© Getty Images
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In einer Welt, in der ein Like die wohl begehrteste globale Währung ist und man vieles über Jemanden in seinen Social-Media-Profilen erfährt, ist es ein leichtes zu behaupten, alles über Gigi Hadid zu wissen. Dem Übermodel schlechthin. Klingt übertrieben? Hier die Fakten: Im letzten Jahr hat die 21-Jährige die Auszeichnung zum International Model of the Year eingesackt, ist zum wiederholten Male über den begehrten Laufsteg der Victoria’s Secret Show gelaufen (als Engel wohlgemerkt) und hat mit Tommy Hilfiger und Reebok gleich zwei große Kooperationen im Petto. Von ihren mehr als 29 Millionen Instagram Followern ganz zu schweigen. Wenn ein Mädchen so gefragt und ihr Gesicht fast überall zu sehen ist – Billboards, TV Shows, Magazin-Cover –, meint man natürlich, sie zu kennen. Aber, wie Gigi, die mit bürgerlichem Namen Jelena Noura Hadid heißt, selbst erklärt, ist das nicht wirklich der Fall.

„Oft sagen die Leute, ,Wir wollen wissen, was du denkst’, aber das wollen sie nicht wirklich“, sagt das Model. „Ihnen ist es egal bzw. bekommst du nicht die Gelegenheit dazu. In einem zwei-Sekunden-Clip zum Beispiel muss alles stimmen. Wenn du dann nicht genau das Richtige sagst, geht es gleich viral.“

© Reeboks
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© Getty Images
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Und eines der bekanntesten Gesichter im Zeitalter von Retweets & Co. zu sein, hilft hierbei auch nicht unbedingt, wie Hadid in unserem Gespräch meint. Trotzdem fällt mir auf, wie nahezu perfekt sie aussieht, als sie die Bühne zur Pressekonferenz ihrer #PerfectNever Kampagne mit Reebok betritt – und das, nachdem sie kurz zuvor ein intensives Box-Workout mit ihrem Trainer Rob Piela von Gotham Gym geführt hat. Getreu der Botschaft hinter ihrer Reebok-Kampagne, in der es um mehr Selbstvertrauen geht, hat Hadid gleich einige ihrer Freundinnen um sich geschart – darunter die Schauspielerinnen Lena Dunham, Zoë Kravitz und Ruby Rose. Zusammen sprechen sie über Authentizität, Wohlbefinden und Toleranz.

Gigi in New York bei der Präsentation ihrer #PerfectNever Kampagne / © Reebok
Gigi in New York bei der Präsentation ihrer #PerfectNever Kampagne / © Reebok 

Werte, die auch Hadid am Herzen liegen. Nach der Konferenz verrät sie, der Schlüssel ihres Erfolgs – und ihrer geistigen Gesundheit – liegt in einer aufgeschlossenen Einstellung („Ich kann dir gar nicht sagen, wie viel es mir bedeutet, wenn Leute sagen ,Die Arbeit mit dir war so großartig’“, und ergänzt „das fühle sich noch besser an, als die daraus entstandenen Bilder“). Und an den Menschen, die ihr den Rücken stärken. Mutter Yolanda etwa und eben auch Frauen wie Lena Dunham. Es ist diese unprätentiös normale Seite ihres Lebens, die sie nicht immer teilt. „Die Welt weiß nicht, wie Lena und ich fernab der Kameras sind. Wenn wir stundenlang über FaceTime reden und uns danach einfach besser fühlen“, erklärt Hadid. Und genau diese Gruppe an Mädels ist es auch, ihre Squad, die ihr mit dem Druck des Berühmtseins beisteht – wenn mal wieder böse Kommentare von Hatern auftauchen, die sich hinter der Anonymität des Netzes verstecken.

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Ich arbeite hart, ich bin ein guter Mensch, eine gute Freundin. Darauf besinne ich mich, wenn die Welt mich mal wieder für irgendetwas verurteilt

„Egal, ob du dir vornimmst, dir sowas nicht zu Herzen zu nehmen, es passiert trotzdem“, sagt sie. Deswegen auch der Vorsatz, 2017 weniger Zeit auf Instagram & Co. zu verbringen. „Wenn du in der Lage bist, dich von dem Ganzen abzugrenzen, dann kannst du dich wieder auf wichtigere Dinge konzentrieren: ‚Warum bin ich hier? Was ist meine Botschaft? Was macht mich selbstbewusst?’” Und manchmal träumt sie dann auch davon, alles hinter sich zu lassen. „Ist es nicht viel mehr wert, ein Restaurant zu eröffnen und mit Leuten zu sprechen, die tatsächlich dich kennenlernen wollen, wer du bist und was dich beschäftigt?“, grübelt sie. Vorerst jedoch begrenzen sich ihre kulinarischen Ausflüge auf ihre Wohnung, wo sie mit Freund, Sänger Zayn Malik, beim Kochen genüsslich abschalten kann.

Während unseres Gespräches entdecke ich eine kleine Narbe an ihrem linken Auge, was mich daran erinnert, das selbst die auf den ersten Blick perfektesten Frauen unter uns ihre Makel haben – etwas, das Gigi Hadid akzeptiert. „Es geht nicht darum, sich auf etwas zu konzentrieren, von dem die Welt meint, es sei nicht vollkommen. Man sollte vielmehr daran arbeiten, worin man sich verbessern will“, gibt sie zu verstehen und schreibt diese Haltung ihrer Zeit als Athletin gut – eine Erfahrung, die ihr Leben sehr gezeichnet hat. Auch in Modefragen.

Gigi mit Mutter Yolanda / © Getty Images
Gigi mit Mutter Yolanda / © Getty Images 
Gigi mit Freund Zayn Malik / © Getty Images
Gigi mit Freund Zayn Malik / © Getty Images 

Glücklicherweise geht der aktuelle Trend hin zu eher lässiger Klamotte und trifft damit genau Gigis Style, den sie als Volleyball-Spielerin für die olympischen Jugendspiele entwickelt hat: Um den Spagat zwischen Schule und Training zu meistern, mixte sie damals schon ihre Workout-Klamotten mit angesagten Trendteilen. „Ich bin froh, dass Athleisure gerade so modern ist, sonst wüsste ich nicht, was ich tragen sollte“, meint sie scherzhaft. Ihr Haar ist dabei streng zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, eine hochgeschnittene Leggins und ein Crop Top aus ihrer Reebok-Kollektion betonen den schmalen, aber durchtrainierten Körper. „Ich bin einfach viel mehr ich selbst, wenn ich etwas bequemes trage.“

Dieses Selbst-Bewusstsein verdankt Gigi ihrer Mutter, die ihr mit 10 Jahren das Modeln ausredete, damit sie sich erst mal auf die Schule zu konzentrieren konnte. „Sie wollte, dass ich Volleyball-Spielerin werde und mich dem Reiten widme, damit ich Vertrauen in etwas finde, das nichts mit meinem Aussehen zu tun hatte“, sagt Hadid. „Ich brauchte andere Dinge in meinem Leben, die mir Selbstvertrauen gaben: Ich arbeite hart, ich bin ein guter Mensch, eine gute Freundin. Das sind all die Dinge, auf die ich mich rückbesinne, wenn die Welt mich mal wieder für irgendetwas verurteilt.“

Gigis Power Look zum Nachstylen