True Originals

Kris Gottschalk: das New Face

Wie das deutsche Model nach einem schweren Motorradunfall kurzen Prozess machte – und so erst recht durchstartete.
© Kai Z Feng, Alvaro & Wen Colom  

Manchmal werden aus den besonders schicksalhaften Momenten diejenigen, die ein Leben für immer verändern – zum Positiven. So wie im Fall von Kris Gottschalk. Sie war lange Zeit ein ganz normales Mädchen. Und Model. Eines von vielen. Dann aber reiste sie 2015 nach Bali und überlebte mit schweren Kopfverletzungen einen Motorradunfall. Einen, von dem eine dicke Narbe auf dem Kopf zurückblieb. Kris Gottschalks Reaktion: Jetzt erst recht! #baliawakening, wie sie es selbst nannte. Sie rasierte sich kurzerhand die Haare bis auf wenige Millimeter ab. Für ein Model wie Kris bedeutete das, alles auf eine Karte zu setzen. Die allesentscheidende Frage: Bucht mich noch jemand? Aber ja, wurde schon bald klar, als unzählige Casting-Direktoren und Fotografen bei Kris anfragten und sie daraufhin in sämtlichen Editorials und Kampagnen von Y-3 bis Diesel erschien. Die wahre Revolution kam jedoch wenige Monate später: Kris Gottschalk, das Mädchen mit den auffälligen Augenbrauen und dem einst coolen Bob, wurde für die Menswear-Schauen von Garcia Velez und Theory gebucht. Hinzu kamen Modestrecken in der Vogue und Harper’s Bazaar. Klare Sache, dass die kurzen Haare über lang geblieben sind. Alles andere in unserem Gespräch.

© Kai Z Feng, Alvaro & Wen Colom  

Wann war dir klar, dass du Model werden willst?

Ich bin sehr groß, komme aus einer Kleinstadt bei Stuttgart und wollte wegziehen. Also habe ich einer Agentur Bilder geschickt und einen Model-Wettbewerb gewonnen. Das geschah aber alles mehr aus Neugier und Fernweh.

Beschreibe deinen Stil mit eigenen Worten.

Ich mag Klassiker: eine gutes Paar Blue Jeans, ein cooles T-Shirt. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Job so viel von Mode umgeben bin, dass ich privat am liebsten bequeme Teile und kuschelige Materialien trage. Ich habe eine alte hellblaue Jeans, die perfekt ist: nicht zu hochgeschnitten, nicht zu niedrig, sondern genau richtig. Zu der ziehe ich eine übergroße Lederjacke an, was sehr 80er bzw. 90er ist.

© Kai Z Feng, Alvaro & Wen Colom 
Ich hätte nie gedacht, dass ich mit abrasierten Haaren noch als Model arbeiten könne. Jetzt wache ich auf und muss mir nur noch das Gesicht eincremen

Was sind deine Tipps in Sachen Fashion Remix?

Man geht nicht einfach raus und kauft ein komplettes Kopf-bis-Fuß-Outfit von einem Designer und trägt es genau so, wie der es auf dem Laufsteg vorgemacht hat. Man macht stattdessen sein eigenes Ding daraus und kombiniert es mit Teilen, die schon im Kleiderschrank hängen. Basics sehen super aus zu etwas, das teuer wirkt. Ich beispielsweise trage meinen goldenen Givenchy-Blazer nur mit einem einfachen schwarzen Slip Dress. Ansonsten ist es zu viel. Mit Mode kann jeder seinen eigenen Stil kreieren.

Wir lieben deine kurzen Haare. Aber warum dieser drastische Schnitt?

Nach meinem Motorradunfall wurden mir die Haare sowieso teilweise abrasiert. Also rasierte ich sie ganz ab und fühlte mich danach wie neugeboren. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit abrasierten Haaren noch als Model arbeiten könne. Aber es liegt wohl an meinem Gesicht. Jetzt wache ich auf und muss nicht viel mehr machen, als mir das Gesicht einzucremen.

© Getty Images 
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Was war deine tollste Erfahrung als Model?

Mit Karl Lagerfeld zu arbeiten. Er ist eine Legende. Als ich in Deutschland aufgewachsen bin, war er oft im Fernsehen zu sehen und hat mit Claudia Schiffer zusammengearbeitet. Ich wusste damals nichts über Mode, doch ich kannte Karl Lagerfeld. Deshalb war ich vor unserem Treffen in Paris irre nervös. Er war aber so nett.

Was würde andere von dir überraschen?

Leute könnten denken: ‚Die ist ein Model und lebt in New York und hat ein mega glamouröses Leben.‘ Aber am Ende haben wir viel gemeinsam und sind alle nur Menschen. So wie ich, die aus einer deutschen Kleinstadt kommt, wie viele andere meiner guten Freunde.

Erfahre mehr über die Kampagne hier.

Kris‘ Look zum Nachstylen