True Originals

Malaika Raiss: Im verflixten siebten Jahr

Die Berliner Designerin Malaika Raiss präsentiert seit 2010 auf der Berlin Fashion Week. Ihre Liebe zu der Mode ist in dieser Zeit noch gewachsen. Ein Gespräch über Ehrgeiz, Erfolg und über Fußball
 

Malaikaraiss macht Mode. In Berlin. Dort, wo in den letzten Jahren schon einige Labels angetreten sind, die deutsche Mode wieder so relevant zu machen wie einst in den Achtzigern unter Jil Sander und Wolfgang Joop – jetzt, ganz neu, mit dem Hauptstadt-Hipnessfaktor im Gepäck. Im Jahr 2010 ließen sich besonders viele Designerlabels ins Handelsregister eintragen, um wenig später ihre Debütkollektionen zu zeigen. Eines davon ist Malaikaraiss, was so heißt wie seine Gründerin, die Schwäbin ist, 1,63 m groß und bei jedem Runway Entry eindrucksvoller als ein zwei Meter großes Schwergewicht.

Denn, wenn die Models den Laufsteg nach dem Abschluss-Walk verlassen haben, dann betritt ihn Malaika Raiss mal stürmisch, mal tanzend, aber immer mit einem glücklichen Grinsen im Gesicht. Man muss sich schon fragen, woher die 32-jährige Modedesignerin, die bereits mit 16 den Brigitte Young Miss-Modewettbewerb gewonnen hat, ihre Energie nimmt – nach all den Wochen, in denen sie mehr Zeit im Atelier als Zuhause verbracht hat und dabei schon mal um 5 Uhr morgens die Tür zu ihrem Atelier aufsperrte. Ob das tatsächlich nur am grünen Tee liegt, den die Designerin jeden Morgen trinkt? Wohl kaum.

Ein Hauptgrund dafür wird vielmehr das sein, was sie dann den ganzen Tag dort macht: Mode in femininem, frischem Rot, Rosa, Apricot oder Weiß, die so viel Spaß macht wie ein ganzer Junggesellinnenabschied mit Erdbeer-Macarons und Rosé. Genau bei so einem könnte man sich etwa ein wadenlanges, cremefarbenes Plisseekleid oder eine hellrosa Stoffhose mit roten Außennähten, nämlich vorstellen. Malaikaraiss macht Mode, die gleichzeitig zart und stark wie eine Ballerina spielerisch den Spagat zwischen anmutig und sportlich schafft. Dazu kommt seit ein paar Saisons auch immer mehr Schmuck. Goldene Halsketten mit Hot Dog oder Star-Wars-Anhängern zum Beispiel.

 

Als wir die Designerin zwei Wochen vor der Frühjahr-Sommer-Show in ihrem Studio in Friedrichshain auf der Rigaer Straße, die wegen der häufigen Unruhen mehr Rebell ist als ihr Bestseller „Rebel Mermaid” Shirt, besucht haben, ist dem achtköpfigen Team die Hektik anzumerken. Schnitte werden finalisiert, der DHL Bote geht ein und aus. Malaika lässt nichts aus dem Blick. Mit den Jahren ist bei ihr Routine eingekehrt. Allerdings wäre Malaika Raiss kein True Original, wenn sie neben Mode nicht noch ganz andere Interessen hätte, die sie uns im Interview verraten hat

Je näher die FW rückt, wird man aufgeregter?

Es ist eher wie so ein Film, der an einem vorbeifährt. Das ist jetzt meine 14. Saison und 13. Show zur Fashion Week, da gewöhnt man sich so ein bisschen dran. Richtig aufgeregt werde ich erst in der Nacht davor. In der Location funktioniere ich dann aber wieder.

Wie sieht bei dir der Designprozess an? Entwirfst du an der Puppe? Papier? Digital?

Nein, an der Puppe mache ich nichts. Die Schnitterstellung macht das Atelier. Ich arbeite mit Moodboards und Konzepten. Von der Klamotte bis zum Lookbook. Dazu sammle ich zuerst Skizzen, Materialien und Bilder. Dann zeichne ich die ganzen Looks und wir teilen auf, wer was bzw. welchen Schnitt macht.

 
 

Kannst du uns schon etwas zur neuen Kollektion erzählen?

Sie ist durch ein Streetart-Kunstwerk entstanden, das ich zufällig in Kopenhagen gesehen habe. Die Künstlerin heißt Signe Kejlbo. Sie macht viel mit Blumen, malt Acryl auf Acryl. Das Bild heißt „The World Deserves Flowers“ und das war mein Aufhänger für alles.

Hat dich dabei auch die aktuelle politische Situation beeinflusst?

Genau, eigentlich beeinflusst die Kollektion all das, was jeden Tag in meinem Leben passiert. Weil Design ja auch sehr viel mit Emotion zu tun hat.

 
Frauen, die meine Mode tragen sollen sich selbstbewusst, schön und stark fühlen

Was soll deine Mode bei den Frauen, die sie tragen, auslösen?

Sie sollen sich vor allem wohl und selbstbewusst fühlen. Und schön. Frei. Stark.

Die Berlin Fashion Week gibt es seit zehn Jahren. Inwiefern hat sich für dich die Berliner Modewoche verändert?

Am Anfang gab es sehr viel Medienaufmerksamkeit. Man versuchte, vor allem die großen Marken zu pushen. In der Zwischenzeit hat sich ein eigener Nachwuchs entwickelt und sich ein wenig die Spreu vom Weizen getrennt.

Was braucht man, um sich durchzuboxen?

Einen langen Atem, ein tolles Team und auch ein Gespür fürs Kaufmännische oder jemand, der sich damit auskennt. Und vielleicht auch nicht zu hoch fliegen zu wollen und einfach auf dem Boden bleiben. Einfach langfristiger planen.

Wie begegnest du Momenten des Zweifelns?

Durchatmen und weitermachen, sage ich immer. (lacht) Es ist wichtig, dass man sich austauscht, auch mit den anderen Designern, weil wir alle auf die gleichen Probleme treffen. Und einen guten familiären und Freundes-Background zu haben, hilft sicherlich auch. Die holen einen auch mal wieder in die reale Welt zurück aus dieser Fashion-Blase. Oder sie erinnern einen daran, was man eigentlich schon alles geschafft hat.

Du wohnst direkt über deinem Atelier: Kann man da überhaupt abschalten?

Das geht schon. Deswegen wohne ich auch im 4. Stock. Die drei Etagen bringen es schon. Ich versuche auch, so wenig wie möglich Arbeit mit hoch zu nehmen. Papierkram bleibt hier unten. Also die Kollektion entsteht auch nicht hier am Schreibtisch, sondern auf meinem Sofa. Abends im Bett oder im Urlaub. Also immer.

 
 

Aber was machst du denn, wenn du überhaupt keinen Bock auf Mode hast?

Fußballgucken. Oder ich bin auch regelmäßig zuhause in Hessen und mein Freundeskreis da hat überhaupt nichts mit Mode am Hut. Ich bin da der totale Außenseiter. Ich geh gerne Bowlen, schau Adam-Sandler-Filme, Star Wars oder solche Dinge.

Was wäre dein Plan B gewesen, wenn es nicht mit dem Label geklappt hätte?

Das ist schwierig. Aus heutiger Sicht würde ich etwas anderes machen. Ich hätte doch auch Menschenrechtsanwältin werden können oder fürs UNHCR unterwegs sein können.

Malaikas Hot Spots in Berlin

Lieblings-Café?

Barcomis

Beste Bar?

Jungbusch in Neukölln

Lieblingsort zum Abschalten?

Volkspark Friedrichshain

Wo kann man gut Tanzen gehen?

Watergate

Sommer in Berlin?

Klunkerkranich. Rummelsburg. Zoo.. Bootfahren auf der Spree.