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Cara Delevigne zeigt ihr neues Löwenkopf -Tattoo

Tattoo-Hype
Kolumne

14.06.2013 / Evelyn Bloch

Jedes Mal, wenn ich meine Mutter in der rheinländischen Kleinstadtidylle besuche, muss ich ihr eins versprechen: Keine weiteren Tattoos mehr! Und jedes Mal gucke ich beschämt zu Boden, fühle mich wieder wie ein Teenager, denn wir beide wissen, ich lüge. Diese Marotte lässt mich, obwohl ich eine allgemeine Hochschulreife, keinen tiefer gelegten Golf 3 und nur eine Haarfarbe auf dem Haupt vorweisen kann, immer wieder denken, ich wäre ein Underdog, ein Außenseiter – denn ich bin tätowiert. Schiebe ich jedoch mein persönliches Dilemma der Abnabelung beiseite und schaue mich um, schlage Magazine auf oder schalte den Fernseher an, nehme ich inzwischen eigentlich genau das Gegenteil wahr: Denn Gott und die Welt ist tätowiert!

Bye bye, Arschgeweih

Eine Tätowierung war früher noch den echten Rebellen vorbehalten – wer sich tätowieren ließ, entschied sich bewusst gegen ein angepasstes Leben. Traurige Trends, wie das Arschgeweih und andere gängige Motive, gerne asiatischer Herkunft, schafften es in den 90er-Jahren, die breite Masse zu erreichen, dem eigentlichen Sinn des Tattoos, etwas Unvergleichliches zu sein, zu entsagen und schließlich, samt ihren Trägern ein trauriges Ende zu finden – und zwar unterm Laser: bye bye, Arschgeweih. Danach war erst mal wieder Ruhe in den Tattoo-Studios. Es waren It-Girls wie Nicole Richie, Lindsay Lohan und Sienna Miller, die dem Tattoo Mitte der 2000er, einige Jahre nach dieser Invasion des seelenlosen Einheitsbreis, neue Coolness einhauchten: Mit versteckten Herzchen, umschmeichelnden Ketten und filigranen Messages, die an Knöcheln, Handgelenk oder Fingern eher wie ein Accessoire wirkten, sorgten sie dafür, dass zunehmend Frauen sich mit dieser Art der Body Modifications identifizierten. Ein neuer Tattoo-Trend war geboren. Doch ging es hier weniger um die spezifischen Motive, als um die Wahrnehmung der Tätowierung selbst.

Hype oder Revolution?

Auch die Red Carpets und die Modemagazine avancierten in den letzten Jahren zu Tatorten des Tattoo-Hypes ¬– kaum ein Promi, der nicht mit einem Bild oder Schriftzug geschmückt ist. Neuestes Beispiel: Topmodel Cara Delevingne, die sich erst kürzlich einen Löwenkopf auf den Zeigefinger stechen ließ. Sogar „Sauberfrauen“ wie Scarlett Johansson, Victoria Beckham und Eva Longoria tragen mehr oder weniger auffällige Motive (mit mehr oder weniger sinnvollen Bedeutungen) unter ihrer Haut spazieren. Sogar in Hochglanzmagazinen wie der Vogue posieren immer mehr „Typen“ statt „Puppen“ – natürlich tätowiert. Popstars wie Katy Perry und Beyoncé Knowles und Business-Frauen wie Kat Von D und Angelina Jolie demonstrieren weltweit, dass die moderne Frau auch eigen sein kann. Dass eine Tätowierung kein Karriere-No-go sein muss. Dass es Schönheit auch jenseits gängiger Regeln geben kann. Und wenn sogar Heidi Klum sich unter die Nadel legt und den Unterarm mit dem abstrahierten Namen ihres inzwischen Ex-Mannes Seal (Oh je, Heidi…) stechen lässt, ist es doch an der Zeit, sich die Frage zu stellen: Ist das Tattoo in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Warum regt sich Mutti dann so darüber auf?

Für immer

Auch, wenn im Sommer am See inzwischen die Nicht-Tätowierten in der Unterzahl sind und sich die Preise in den Tattoo-Studios in den letzten vier Jahren verdoppelt haben, werden Bänker wohl auch in ferner Zukunft nur unterhalb des Hemdkragens tätowiert bleiben. Spannend bleibt, ob sich das Tattoo da, wo es sich jetzt verewigt hat, auch bleibt, oder wieder in der Nische der Rebellen verschwindet aus der es kam. Ob die Promis und „Hipsters“ ihre kleinen Kunstwerke behalten oder vielleicht doch wieder entfernen lassen (Heidi, was wird aus deinem Unterarm?!)? Trend hin oder her: Tätowierungen aus Überzeugung gab es und wird es immer geben. Vielleicht ist es nur dank Herzchen, Delphinen und Co. inzwischen einfach keine so große Sache mehr, eins zu haben. Ich jedenfalls fiebere in der Zwischenzeit meinem bald wieder anstehenden Termin beim Tätowierer entgegen. Sorry, Mama.