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Die Band Keane

Tim Rice-Oxley
"Musik ist so kraftvoll! Sie hat mich gerettet."

06.12.2013 / Sara Bongiovanni & Léa Estruch

  • Zehn Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung bringt die britische Pop Band Keane nun ihre größten Hits auf einem Album heraus. In Berlin hatten am 6. November lediglich 300 ausgewählte Gäste die Chance, Keane live bei ihrer "The Best Of Keane" Performance zu erleben. Wir waren dabei und haben nach einem atemberaubenden Konzert Pinanist und Songwriter der Band Tim Rice-Oxley in seinem Hotelzimmer getroffen.

    Warum habt ihr ausgerechnet Berlin für euer Greatest Hits Konzert ausgewählt?

    Tim Rice-Oxley: Als wir 2008 unser drittes Album aufgenommen haben, haben wir uns einfach total in die Stadt verliebt: ihre musikalische Vielfalt, die Kunst, die Clubs und Bars … Wir haben eine Menge toller Erinnerungen an die Stadt. Sie ist wie unser zweites Zuhause. Deswegen fanden wir, ist Berlin einfach der perfekte Ort, um auf die letzten zehn Jahre von Keane zurückzublicken.

    Gibt es einen Song, der euch am besten repräsentiert?

    T. R.-O.: Das ist eine schwierige Frage. Vielleicht "Somewhere only we know" – unser bekanntester Hit! Unser zweites Album (Anm. d. Red.: "Under The Iron Sea") mag ich persönlich am allerliebsten. Und "Try Again" ist der Song, der mir am meisten am Herzen liegt. Er ist sehr melodisch und emotional. Das ist ja auch unser Markenzeichen. Der Song reflektiert perfekt unseren Stil.

    “Hopes and Fear” war euer erfolgreichstes Album: Was sind eure Hoffnungen und Ängste heute?

    T. R.-O.: Die Frage könntet ihr zu keinem passenderem Zeitpunkt stellen. Wir denken gerade darüber nach, als Band eine kleine Pause einzulegen. Tom (Anm. d. Red.: Der Sänger der Band) arbeitet gerade noch an seinem eigenen Album und ich habe wirklich noch gar keine Ahnung, was ich in zwei Wochen machen werde. Ich bin gespannt und habe zugleich auch Ängste. Meine größte Angst ist, dass ich mich irgendwie verliere.

  • In "Chrystal Ball" – einer eurer besten Songs wie wir finden – geht es um die Erkenntnis, dass es nichts mehr zu sagen gibt, keine Gefühle mehr übrig sind. Kann großer Erfolg auch diese Art von Stumpfsinn mit sich bringen?

    T. R.-O.: Wenn man auf Tour ist und die meiste Zeit allein in seinem Hotelzimmer verbringt, man 1000 Termine hat und etliche Pläne auf der Agenda stehen, machen einzelne Tage irgendwann keinen Sinn mehr. Die Konzerte sind immer aufregend und toll, aber der Rest ist – psychologisch gesehen – sehr stressig. Am Anfang ist man noch berauscht, wie in einem ekstatischen Zustand. Aber irgendwann wird einem dann bewusst, dass man den größten Teil des Tages eigentlich damit verbringst, nichts zu tun. Und das ist für kreative Menschen das Allerschlimmste, was passieren kann. Daher Stumpfsinn, ja.

    Stimmt es, dass du auch eine Solo-Karriere planst?

    T. R.-O.: Nein, das stimmt nicht. Ich weiß aktuell gar nicht, was ich machen will. Ich habe noch keine Pläne und weiß wirklich auch gar nicht, was passieren wird. Mit Sicherheit werde ich erst mal Reisen, neue Dinge lernen und vielleicht auch für andere Künstler schreiben.

    Wer ist deiner Meinung nach der größte Künstler dieser Zeit? Und hast du schon mal über eine Kollaboration nachgedacht?

    T. R.-O.: Bruce Springsteen ist für mich einer der besten Songwriter. Ich finde aber, für eine wirklich gute Kollaboration müssen beide Künstler etwas davon haben. Und deswegen käme das hier für mich nicht in Frage. Ich kann nicht für jemanden schreiben, der genau meinen Stil hat! Dabei würde ich mich nicht gut fühlen. Für mich wäre es wichtig, dass mein Beitrag den Künstler bereichert und wertvoll ist. Meine liebste Kollaboration bisher war die mit dem Rapper K'naan. Da hat das gepasst. Nur wenn Kreativität geographische und musikalische Grenzen überschreiten kann, ist sie wirklich gut!

  • Stimmt es, dass Chris Martin (Anm. d. Red.: Frontmann der Band "Coldplay") dich während eurer gemeinsamen Studienzeit mal gefragt hat, ob du bei ihnen mitmachen willst? Bereust du es, das nicht getan zu haben?

    T. R.-O.: (Lacht) Ja, aber ehrlichgesagt steckt keine spannende Geschichte dahinter. Ich hätte als Keyboarder nicht zur Band gepasst – nur im Hintergrund die Songs anderer zu spielen … Das wäre nichts für mich gewesen, denke ich.

    Du lehrst uns mit eurem Song “Everybody’s Changing”, dass sich jeder verändert. Wie stark hast du dich seit Beginn eurer Karriere verändert?

    T. R.-O.: Naja, es sind mittlerweile zehn Jahre vergangen. Ich bin natürlich gewachsen. Ich bin definitiv "alt-backener" geworden, aber auch offener.

    Vor zwei Jahren habt ihr in Peking ein Konzert auf einem Burberry Event gegeben. Wie findest du den Britischen Stil, der so typisch für die Marke ist?

    T. R.-O.: Ich mag eigentlich nicht, wie ich aussehe. Ich liebe den smarten Stil von Burberry, besonders die klassischen Anzüge. Und Tweed mag ich auch sehr! Wie ich gesagt habe: Ich bin altmodisch. Was meinen Stil angeht ebenfalls – ich traue mich nicht wirklich, neues auszuprobieren. Ich bin nicht selbstbewusst genug dazu und fühle mich mit trendiger Kleidung immer irgendwie komisch. Ich mag's nicht, aufzufallen.

    Unterscheidet sich dein Bühnen-Look dann von deiner Alltags-Kleidung?

    T. R.-O.: Nein, es ist ein und derselbe Look. Bequem und easy.

    Was war dein zuletzt gekauftes Kleidungsstück?

    T. R.-O.: Ich glaube die Jeans, die ich gerade anhabe.

  • Du reist viel: Gibt es etwas, was du immer dabei hast?

    T. R.-O.: Das ist total peinlich, aber ja: meine Socken von Tabio. Das ist eine japanische Marke. Ich habe tausende von diesen Socken! Jedes Mal, wenn ich an einem Shop der Tabio Socken hat vorbei komme, muss ich ein Paar kaufen.

    Hast du Regeln, wenn du einen Song schreibst?

    T. R.-O.: Überhaupt nicht! Manche Künstler schreiben ja Melodien immer nach dem gleichen Schema. Ich gar nicht. Ich mache das eher intuitiv.

    Denkst du, dass ein Song jemanden verändern kann? Oder er hilft, das Leben etwas mehr zu genießen?

    T. R.-O.: Auf jeden Fall! Wir bekommen so viel Briefe von Fans aus der ganzen Welt in denen sie uns schreiben, wie sehr unsere Songs ihnen in einer schweren Lebensphase geholfen haben. Das ist das schönste an unserem Job. Zu wissen, dass man etwas für die Welt tut und Menschen helfen kann, über schwierige Situationen hinweg zu kommen und ihr Leben zu verändern. Musik ist so kraftvoll! Sie hat mich gerettet. Sie lässt einen das Leben mit anderen Augen sehen.

    Magst du es, deine Zeit mit anderen Musikern zu verbringen?

    T. R.-O.: Ja, klar! Wir hängen immer mit anderen Bands rum. Leider ist es eher schwierig, Nicht-Musikern wie meinen Freunden zu Hause mein Leben zu erklären. Ich hab immer das Bedürfnis, meine Erfahrungen mit jemandem zu teilen. Menschen, die das Musiker-Dasein kennen, können viele Dinge natürlich besser nachvollziehen und mich verstehen.

    Was sind deine musikalischen und kulturellen Einflüsse?

    T. R.-O.: Ich bin sehr offen, was Musik angeht. Ich mag Pop, Hip Hop aber auch elektronische Musik. Als wir als Band angefangen haben, waren "The Smiths" große Vorbilder für uns. Aber auch Evergreens wie "The Beatles", "U2", "Radiohead", "Depeche Mode" und "Paul Simon". Sonst lasse ich mich gern von Kunst, Filmen und Menschen in meinem Umfeld inspirieren. Auch wenn es so aussieht, aber etwas Beeindruckendes aus seinem Umfeld in einen Song zu packen, ist gar nicht so leicht.